Eine Spargelstange erzählt aus ihrem Leben

SpargelGestatten? Asparagus officinalis. Sie können mich aber auch Gemüsespargel nennen, oder Gemeiner Spargel. Dabei bin ich gar nicht gemein. Auch wenn meine Beeren etwas giftig sind. Das wussten Sie nicht? Na, dann werde ich Ihnen mal etwas von mir und meinen Verwandten erzählen.
Ursprünglich dienten wir als Heilpflanze. Die Chinesen verwendeten unsere Stangen schon vor 5000 Jahren gegen Husten, Geschwüre und Blasenprobleme. Bei den Griechen wurden wir im zweiten Jahrhundert v. Chr. bekannt. Von ihnen haben wir unseren Namen: Aspharagos, das bedeutet „junger Trieb“. Die Römer brachten einige meiner Vorfahren über die Alpen, wo wir im 16. Jahrhundert zu einer Delikatesse wurden.
Wir mögen Wärme und lockeren, sandigen, nicht zu feuchten Boden. In den pflanzt man uns im Spätherbst, wenn wir ein oder zwei Jahre alt sind, und deckt uns schön mit Erde zu. Im darauf folgenden Herbst werden unsere Stängel gekürzt und dann das Beet mit reifem Mist bedeckt. Im dritten Jahr werden die Beete mit fetter, sandiger Erde so stark erhöht, dass wir eine Hand breit tief liegen. Dann wird geerntet. Je nach Region kann das schon im März los gehen. Wenn man uns gut pflegt und mit Mist, Jauche, Asche und Kali düngt, dann wachsen wir bis zu zehn Jahre.
Viele von uns haben ja bis zu ihrer Ernte noch nie das Sonnenlicht gesehen. Deshalb sind sie so weiß. Sie konnten kein Chlorophyll bilden. Meine grünen Kollegen dürfen aus der Erde rausgucken. In Frankreich sind meine Verwandten immer nur ganz kurz an der frischen Luft. Davon bekommen sie immer einen leicht violetten Kopf.
An die Ernte möchte ich jetzt lieber nicht denken. Das tut nämlich immer ganz schön weh, wenn sie zustechen mit ihren Messern. Aber wenn sie uns junge Triebe in Ruhe ließen, könnten wir bis zu 1,5 Meter hoch werden. Je nach Art. Allein in Europa gibt es 15 Spargelarten. Wir hätten blattartige Zweige, gelbe Blüten und scharlachrote Beeren, die eben etwas giftig sind.
Die Ernte sollte höchstens vier Monate dauern, denn zwei Bauernregeln sagen: „Kirschen rot, Spargel tot“ und „Stich den Spargel nie nach Johanni“. Damit meinen sie den 24. Juni, den Johannestag, das offizielle Ende der Spargelsaison. Danach lässt man uns in Ruhe, damit wir uns bis zum nächsten Jahr regenerieren können.
Erwähnte ich schon unsere harntreibende Wirkung? Das liegt an der Asparaginsäure und an dem vielen Kalium. 100 g frischer Spargel enthalten 210 mg Kalium, aber auch je 20 mg Vitamin C, Calcium und Magnesium. In einer Sache sind wir den Menschen recht ähnlich: Wir bestehen zu 92 Prozent aus Wasser. Der Rest sind u.a. Proteine, Fett, Kohlenhydrate.
So, nun wissen Sie einiges über uns. Auf Wiedersehen. Vielleicht auf Ihrem Teller?

Aufgezeichnet von Tobias Böker

 

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